EZB hebt Leitzinsen um 0,25 Punkte an – Kampf gegen hartnäckige Inflation
Der Einlagenzins steigt auf 2,25 Prozent. Damit reagiert die Notenbank auf anhaltenden Preisdruck – Öl und Nahost-Konflikt treiben die Teuerung.
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat auf seiner Sitzung am heutigen Donnerstag alle drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der für die Finanzmärkte maßgebliche Einlagenzins steigt damit auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt nun bei 2,40 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Mit dem Schritt reagiert die Notenbank auf den anhaltenden Preisdruck im Euroraum.
Als zentralen Grund für die Straffung nennt die EZB die hartnäckige Inflation. Im Mai 2026 lag die Gesamtinflation im Euroraum bei 3,2 Prozent, die um schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kerninflation bei 2,5 Prozent. Beide Werte liegen weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent.
Zu den wesentlichen Treibern der Teuerung zählen geopolitische Faktoren. Der seit Mitte Mai eskalierte Nahost-Konflikt hat die Ölpreise spürbar steigen lassen und den Inflationsdruck zusätzlich verschärft. Vor diesem Hintergrund hatten viele Marktteilnehmer bereits mit einer Zinsanhebung gerechnet und erwarten für den weiteren Jahresverlauf 2026 mindestens einen weiteren Zinsschritt.
Für Sparer und Kreditnehmer sind die Folgen unmittelbar spürbar. Höhere Leitzinsen wirken sich direkt auf die Konditionen von Tagesgeld, auf die Geldmarktsätze sowie auf sehr kurzfristige Kredite aus. Sparerinnen und Sparer dürften von attraktiveren Verzinsungen profitieren, während sich die Finanzierung kurzfristiger Verbindlichkeiten verteuert.
Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats ist für den 23. Juli 2026 angesetzt. Die Zinsentscheidung wird um 14:15 Uhr veröffentlicht, gefolgt von der Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde um 14:45 Uhr. Beobachter dürften dann vor allem auf Hinweise zum weiteren Zinspfad achten.