Bundesbank senkt Wachstumsprognose und hebt Inflationserwartung deutlich an
Die Notenbank rechnet 2026 nur noch mit 0,5 Prozent Wachstum – und mit 2,9 Prozent Inflation. Hauptursache ist ein Energiepreisschock.
Die Deutsche Bundesbank hat ihre Konjunkturaussichten für Deutschland spürbar eingetrübt. In ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht Juni senkte die Notenbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr und rechnet zugleich mit einer deutlich hartnäckigeren Inflation als noch im Frühjahr angenommen. Die neuen Projektionen beruhen auf einem Datenstand vom 27. Mai 2026.
Für das Bruttoinlandsprodukt erwartet die Bundesbank 2026 nur noch ein kalenderbereinigtes Wachstum von 0,5 Prozent, nach zuvor prognostizierten 0,8 Prozent. Unbereinigt dürfte die deutsche Wirtschaft demnach um 0,7 Prozent zulegen. Auch für das kommende Jahr fielen die Erwartungen mit 0,8 Prozent etwas verhaltener aus als die bisher veranschlagten 0,9 Prozent.
Hauptursache für die Korrektur ist nach Einschätzung der Notenbank ein Energiepreisschock infolge des seit Mitte Mai 2026 eskalierten Nahost-Konflikts. Der Preis für die Rohölsorte Brent lag zuletzt um mehr als 30 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das entsprechende Kapitel des Berichts trägt den Titel „Energiepreisschock treibt Teuerung an und bremst die Konjunkturerholung“.
Entsprechend hob die Bundesbank ihre Inflationsprognose kräftig an: Für 2026 rechnet sie nun mit einer am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Teuerung von 2,9 Prozent, nach zuvor 2,1 Prozent. Auch 2027 dürfte die Rate mit hartnäckigen 2,7 Prozent hoch bleiben, ehe sie erst 2028 auf 1,9 Prozent zurückgeht.
Die hohen Energiepreise belasten über Kaufkraftverluste den privaten Konsum. Zusammen mit einem schwachen Arbeitsmarkt bremst dies die erhoffte konjunkturelle Erholung spürbar aus.