Wald und Klimawandel: „Um die Buchen mache ich mir große Sorgen“
4. # Wald und Klimawandel: Droht nach den Fichten das…
4. # Wald und Klimawandel: Droht nach den Fichten das Buchen-Sterben?
Bis zu 400 Hektar Wald verbrannten beim Großfeuer im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald. Foto: IMAGO/Frank Ossenbrink
WirtschaftsWoche: Herr von Wrede, Ihr Forstbetrieb im Hochsauerlandkreis umfasst rund 800 Hektar. Was macht ein Großbrand von 300 bis 400 Hektar Fläche, wie zuletzt im Hürtgenwald, mit Ihnen?
Eberhard von Wrede: Das zu erleben, ist sehr emotional. Ein Waldbrand ist wie ein Hochwasser: Man steht vor einer Urgewalt und kann sich kaum dagegen schützen. Der Forstbetrieb unserer Familie lässt sich bis ins Jahr 1338 zurückverfolgen. Ich bewirtschafte ihn jetzt in der 19. Generation. Da hat man schon einen besonderen Bezug zur Natur.
Waren Sie selbst schon einmal von einem solchen Feuer betroffen?
Nicht in diesem Ausmaß, zum Glück. Aber das Brandrisiko nimmt mit den steigenden Temperaturen zu. In unserer Region gab es in den vergangenen trockenen Jahren mehrere große Brände. Vor rund zwei Wochen brannte es noch zehn Kilometer entfernt auf etwa acht Hektar Fläche. Als einzelner Waldbauer kann man zunächst nicht viel tun, wenn es brennt. Dann wartet man auf die Profis, die das Feuer löschen können. Zum Glück haben wir sie. Die eigentliche Arbeit für den Waldbesitzer beginnt, wenn alles gelöscht ist.
Erst einmal die Manöverkritik. Was müssen wir aus dem Brand lernen? Wie können wir uns rüsten, damit es beim nächsten Mal nicht so heftig wird? Wo lassen sich Löschteiche anlegen? Wo können wir Fahrwege freischneiden und für Löschfahrzeuge ertüchtigen? Braucht es Schutzstreifen? Wo kann, wo muss ich das Unterholz aufräumen? Denn eines ist klar: Nach dem Waldbrand ist vor dem Waldbrand.
Eberhard Freiherr von Wrede Foto: AGDW, Sebastian Runge
Von Wrede, 58, bewirtschaftet seit 1998 den forstwirtschaftlichen Familienbetrieb Haus Amecke im Sauerland, der sich seit 1338 im Besitz der Familie befindet. Der Diplom-Forstwirt gehört seit 2006 dem Landesvorstand des Waldbauernverbandes NRW an und ist seit dem 4. September 2025 Vorsitzender der privaten Waldbesitzer im Land. Zuvor wirkte er unter anderem in der Task-Force Käfer sowie am Waldbaukonzept mit.
Werden Waldbrände von der Ausnahme zur Regel?
Brände gab es auch in der Vergangenheit immer wieder. Aber die Rahmenbedingungen ändern sich. In 99 Prozent der Fälle werden Waldbrände von Menschen ausgelöst. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine weggeworfene Zigarettenkippe oder ein nicht ordentlich gelöschtes Grillfeuer das Unterholz in Brand setzt, wächst mit jedem Grad Temperatur, um das es wärmer wird. Je länger es trocken ist und je höher die Temperaturen steigen, desto häufiger schaue ich inzwischen in meine Wetter-Apps. Und desto mehr steigt mein Stresslevel.
Wie hoch ist die Nervosität angesichts der vergangenen Dürrejahre?
Sie nimmt zu. Wenn man sich die Temperaturkurven des Deutschen Wetterdienstes seit 1881 anschaut, verliefen sie lange recht flach. Seit etwa 1990 gibt es jedoch einen deutlichen Anstieg. Man kann lange darüber diskutieren, was diesen Klimawandel im Einzelnen auslöst. Für Waldbesitzer und Feuerwehrleute ist das nachrangig. Für uns bedeutet die Entwicklung Stress. Der ist nicht nur akut. Er wird uns in den kommenden Jahren dauerhaft begleiten. Nach dem jüngsten Regen hat sich die Lage zwar erst einmal entspannt. Das ist aber keine Entwarnung. Der nächste Waldbrand wird kommen und wir müssen uns jetzt darauf vorbereiten.
Monokulturen aus Nadelbäumen gelten als besonders feuergefährdet. Reicht es, zusätzliche Löschteiche oder Schneisen in den Wald zu legen, um die Brandgefahr zu mindern?
Nein, das reicht nicht. So einfach, wie es mancher vorschlägt, Nadelhölzer durch Laubwald zu ersetzen, ist es aber auch nicht. So ist etwa in Bayern belegt, dass die Brände auch in Laubwäldern zunehmen. Für die Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen ausbreiten, ist mitentscheidend, wie gut die Wälder gepflegt sind. Wichtig ist auch, ob Löschmannschaften rasch an Brandherde gelangen und die Brände früh eindämmen können. Regelmäßig bewirtschaftete Wälder haben beim Brandschutz Vorteile – unabhängig von der jeweiligen Baumart.
Wie verträgt sich das mit dem ökologischen Ziel, wieder mehr naturbelassene „Urwälder“ entstehen zu lassen?
Sehr extensiv bewirtschaftete Laubholzflächen mit einem größeren Totholzanteil, wie es sie in einigen Landes- und Bundesforsten gibt, können ökologisch Vorteile haben. Wenn ich den Wald aber sich selbst überlasse, muss ich bei einem Brand akzeptieren, dass ich nicht mehr vom Boden aus löschen kann. Das Feuer wäre dann schlicht nicht mehr erreichbar. Die Lösung liegt deshalb nicht im Entweder-oder, sondern in einem intelligenten Mix aus Baumarten und Bewirtschaftung. Dann lassen sich die Wälder besser gegen Großbrände schützen und zugleich zukunftsfähig umbauen.
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Richtig. Die langen Zeiträume sind aber nicht die einzige Herausforderung. Klar ist auch: Wir brauchen einen neuen, klimaangepassten Mix aus Laub- und Nadelbäumen. Welche Baumarten dafür am besten geeignet sind, ist allerdings unklar. Das Problem ist: Wir wissen nicht, wie das Klima in 120 bis 140 Jahren konkret aussehen wird, wenn die Bestände ausgewachsen sind, die wir heute pflanzen. Von heute aus gesehen ist ein Wald erst dann „klimastabil“, wenn er auch im Jahr 2146 noch gesund dasteht, grüne Kronen trägt und mit den Wetterlagen zurechtkommt.
Rechnen Sie nach dem jüngsten Hitzesommer mit konkreten Schäden?